Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 001/13 - 31.01.2013

Görlitz: Über 15 % der Jugendlichen im Landkreis sind Hartz-IV-Empfänger

Aber nur jeder Fünfte davon ist arbeitslos gemeldet

Im Landkreis Görlitz leben 3430 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren von Hartz IV. Das sind 15,5 % Prozent aller Jugendlichen, die im Landkreis Görlitz leben und somit direkt von Armut betroffen sind. Jugendarmut im Landkreis Görlitz ist schon lange keine gesellschaftliche Randerscheinung mehr. „Diese jungen Menschen erfahren die gesellschaftliche Spaltung bereits in jungen Jahren, in dem sie in Verzicht aufwachsen und ein höheres Risiko für eine mehrfache Benachteiligung haben“, so der DGB-Kreisvorsitzender Siegmar Freund zu den aktuellsten Zahlen der Hartz IV-Bedürftigkeit (Stand: Sept. 2012).

Die Hartz IV-Regelsätze sind in den letzten Jahren deutlich hinter der Preissteigerungsrate zurück geblieben und können gerade für Jugendliche das gesellschaftliche Existenzminimum nicht sicher stellen. „Neben materieller Entbehrung erleben diese Jugendliche entweder Arbeitslosigkeit oder niedriges Erwerbseinkommen im Familienkontext sowie oftmals schlechtere Wohnverhältnisse bzw. schlechtere Chancen im Ausbildungssystem und in der Arbeitswelt. Hinzu kommt, dass sich Einkommensarmut auch verstärkt negativ auf die Gesundheit auswirken kann“ so Siegmar Freund weiter.

Nur jeder Fünfte (629) der auf Hartz IV angewiesenen Jugendlichen ist arbeitslos gemeldet. Weitere 458 nahmen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil. Die weit überwiegende Mehrzahl der hilfebedürftigen Jugendlichen besucht noch die Schule, war in Ausbildung, erwerbstätig oder betreute eigene Kinder (unter 3 Jahren).
Hilfebedürftigkeit bei jungen Menschen hat viele Ursachen. Besonders auffallend ist, dass dabei meist nicht die eigene Arbeitslosigkeit zur Bedürftigkeit führt, sondern die Gründe vielmehr in den begleitenden familiären Lebensumständen liegen. Die Mehrzahl der als nicht arbeitslos registrierten jungen Menschen dürfte noch zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen. Da sie oft noch bei ihren Eltern oder einem Elternteil leben, ist entweder mindestens ein Elternteil arbeitslos oder trotz Erwerbstätigkeit kann das gesellschaftliche Existenzminimum der Haushaltsgemeinschaft nicht gesichert werden. Die Armut von Jugendlichen ist weitgehend auf das Fehlen von existenzsichernden Arbeitsplätzen der Eltern zurückzuführen.

Der DGB-Kreisvorsitzende Freund fordert: „Um diesen Jugendlichen einen dauerhaften Ausstieg aus den prekären Lebensverhältnissen zu ermöglichen, hilft ein schlichtes Parken in beruflichen Warteschleifen oder die Zuweisung in Ein-Euro-Jobs nicht. Möglichst vorbeugende arbeitsmarkt-, bildungs- und sozialpolitische Maßnahmen sind gefragt, die die unterschiedlichen Lebensumstände junger Menschen einschließen.“

Im Herbst 2012 waren nach DGB-Berechnungen in Sachsen bereits 55 % der hilfebedürftigen Jugendlichen in den letzten beiden Jahren bereits mindestens 21 Monate auf Hartz IV angewiesen. Besonders gravierend ist aus gewerkschaftlicher Sicht die Armutserfahrung, wenn sich der Hilfebezug bereits in jungen Jahren verfestigt.


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