Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 05/18 - 18.04.2018

PM: Stadtbibliothek Bautzen restituiert erneut NS-Raubgut an Gewerkschaften

Am Dienstag, dem 24. April 2018 um 12:00 Uhr, werden zwei weitere NS-Raubgutfälle im Lesesaal der Stadtbibliothek übergeben. Es handelt sich um eine 1895 herausgegebene „Geschichte des Britischen Trade Unionismus“, die dem Deutschen Metallarbeiter-Verband Bautzen gehörte. Das andere Buch, die „Gewerbeordnung für das Deutsche Reich“ von 1921, besaß der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (A.D.G.B.) in Bischofswerda.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten löste man die freien Gewerkschaften auf. Ab 10. Mai 1933 galt die neu gegründete Deutsche Arbeitsfront (DAF) als einzige legitime Einheitsgewerkschaft.

Die Bücher sind nach dem 2. Weltkrieg in die Bestände der Stadtbibliothek gelangt und werden nun an die Rechtsnachfolger restituiert.

Im Zuge der Recherchen konnten die IG Metall Ostsachsen und der DGB Ostsachsen als jeweilige Rechtsnachfolger ermittelt werden. Beide sprechen sich für einen Verbleib der Bände in der Stadtbibliothek aus. Sie sollen auch zukünftig der Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Dafür wurden sie im Onlinekatalog der Bibliothek mit ihrer „Provenienz“ (Herkunft) und als „NS-Raubgut“ gekennzeichnet. Alle aufgefundenen Bücher aus ehemaligen Arbeiter- und Gewerkschaftsbibliotheken werden mit der Herkunft „Gewerkschaft/Arbeiterverein“ gekennzeichnet. Auf diese Weise tritt die Stadtbibliothek Bautzen als regionaler Erinnerungsort der Bautzener und Oberlausitzer Gewerkschaftsbewegung auf.

Die NS-Raubgut-Forschung in der Stadtbibliothek Bautzen wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste (DZK) in Magdeburg gefördert und endet am 30. April 2018.

Bei der Restitution der NS-Raubgutfälle am 24.4.2018 um 12:00 Uhr und der anschließenden Übergabe der Bücher werden anwesend sein:

Dana Dubil (Geschäftsführerin der DGB-Regionsgeschäftsstelle Ostsachsen) und Jan Otto (Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen)   sowie von Bibliotheksseite Frau Sabine Kempel (Bibliotheksleiterin) und Dr. Robert Langer (Leiter des NS-Raubgut-Projektes in Bautzen).

Medienvertreter und Interessierte sind zum Restitutionsakt ausdrücklich eingeladen!


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