Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 002/13 - 31.01.2013

Bautzen: 11 % der Jugendlichen im Landkreis sind Hartz-IV-Empfänger

Aber nur jeder Vierte davon ist arbeitslos gemeldet

Im Landkreis Bautzen leben 2832 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahren von Hartz IV. Das sind 11,1 % Prozent aller Jugendlichen, die im Landkreis Bautzen leben und somit direkt von Armut betroffen sind. Jugendarmut ist schon lange keine gesellschaftliche Randerscheinung mehr. „Diese jungen Menschen erfahren die gesellschaftliche Spaltung bereits in jungen Jahren, in dem sie in Verzicht aufwachsen und ein höheres Risiko für eine mehrfache Benachteiligung haben“, so der DGB-Kreisvorsitzender Stephan Hennig zu den aktuellsten Zahlen der Hartz IV-Bedürftigkeit (Stand Sept. 2012).

Die Hartz IV-Regelsätze sind in den letzten Jahren deutlich hinter der Preissteigerungsrate zurück geblieben und können gerade für Jugendliche das gesellschaftliche Existenzminimum nicht sicher stellen. „Neben materieller Entbehrung erleben diese Jugendliche entweder Arbeitslosigkeit oder niedriges Erwerbseinkommen im Familienkontext sowie oftmals schlechtere Wohnverhältnisse bzw. schlechtere Chancen im Ausbildungssystem und in der Arbeitswelt. Hinzu kommt, dass sich Einkommensarmut auch verstärkt negativ auf die Gesundheit auswirken kann“ so Stephan Hennig weiter.

Nur jeder Vierte (611) der auf Hartz IV angewiesenen Jugendlichen ist arbeitslos gemeldet. Weitere 335 nahmen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil. Die weit überwiegende Mehrzahl der hilfebedürftigen Jugendlichen besucht noch die Schule, war in Ausbildung, erwerbstätig oder betreute eigene Kinder (unter 3 Jahren).

Hilfebedürftigkeit bei jungen Menschen hat viele Ursachen. Besonders auffallend ist, dass dabei meist nicht die eigene Arbeitslosigkeit zur Bedürftigkeit führt, sondern die Gründe vielmehr in den begleitenden familiären Lebensumständen liegen. Die Mehrzahl der als nicht arbeitslos registrierten jungen Menschen dürfte noch zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen. Da sie oft noch bei ihren Eltern oder einem Elternteil leben, ist entweder mindestens ein Elternteil arbeitslos oder trotz Erwerbstätigkeit kann das gesellschaftliche Existenzminimum der Haushaltsgemeinschaft nicht gesichert werden. Die Armut von Jugendlichen ist weitgehend auf das Fehlen von existenzsichernden Arbeitsplätzen der Eltern zurückzuführen.

Der DGB-Kreisvorsitzende Hennig fordert: „Um diesen Jugendlichen einen dauerhaften Ausstieg aus den prekären Lebensverhältnissen zu ermöglichen, hilft ein schlichtes Parken in beruflichen Warteschleifen oder die Zuweisung in Ein-Euro-Jobs nicht. Möglichst vorbeugende arbeitsmarkt-, bildungs- und sozialpolitische Maßnahmen sind gefragt, die die unterschiedlichen Lebensumstände junger Menschen einschließen.“

Im Herbst 2012 waren nach DGB-Berechnungen in Sachsen bereits 55 % der hilfebedürftigen Jugendlichen in den letzten beiden Jahren bereits mindestens 21 Monate auf Hartz IV angewiesen. Besonders gravierend ist aus gewerkschaftlicher Sicht die Armutserfahrung, wenn sich der Hilfebezug bereits in jungen Jahren verfestigt.


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